Beschreibung
Der Scharlachrote Kelchbecherling bildet becherförmige Fruchtkörper mit einem Durchmesser von 2–6 cm. Die Innenseite des Bechers ist glatt und intensiv rot (bei trockenem Wetter zu Orange verblasst), die Außenseite ist weißlich und mit feinem Flaum bedeckt. Der Stiel, falls vorhanden, ist kurz und weißlich. Das Fleisch ist dünn und brüchig.
Er wächst im Winter und zeitigen Frühjahr, von Dezember bis Mai, auf heruntergefallenen, feuchten Zweigen von Laubbäumen, oft teilweise im Laub oder im Boden verborgen. In Polen ist er eine seltene Art und kommt in feuchten Laubwäldern und Gebüschen vor. Seine intensive rote Farbe vor dem winterlichen Falllaub reicht in der Regel aus, um aufzufallen.
Ähnliche Arten der Gattung Sarcoscypha sind makroskopisch praktisch nicht zu unterscheiden und lassen sich nur unter dem Mikroskop trennen. Der Scharlachrote Kelchbecherling ist ungenießbar. Wegen seiner Seltenheit lässt man ihn am besten im Wald.
Bestimmungsmerkmale
- Hut
- Becherförmiger Fruchtkörper, anfangs kugelig, dann flach schalenförmig bis becherförmig mit eingebogenem Rand; Durchmesser 2–6 cm (die Beschreibungen geben unterschiedliche Spannen an). Die Innenseite ist glatt, tief scharlachrot und verblasst bei trockenem Wetter zu Orange. Die Außenseite ist weißlich bis schmutzig ocker und mit dichten, filzig verflochtenen feinen Haaren bedeckt. Es gibt Formen mit verringertem oder fehlendem Pigment: orange, gelb oder weiß.
- Hymenophor (Hutunterseite)
- Keine Lamellen oder Röhren. Die Hymenialschicht (sporentragende Asci) kleidet die glatte, rote Innenseite des Bechers aus.
- Stiel
- Oft nicht vorhanden oder sehr kurz; wenn vorhanden (besonders bei Fruchtkörpern, die aus tiefer vergrabenem Holz wachsen), ist er kräftig, weißlich, bis zu 4 cm lang und 0,3–0,7 cm dick, mit filzig verflochtenen Haaren bedeckt.
- Fleisch
- Weiß, dünn, brüchig. Kein deutlicher Geruch oder Geschmack. Das Fleisch sollte nicht probiert werden.
- Sporenpulver und Sporen
- Sporenpulver weiß bis farblos. Sporen langelliptisch, glatt, farblos (hyalin), 26–40 × 10–12 µm, mit kleinen Öltröpfchen, die sich nahe beiden Enden sammeln. Asci lang, zylindrisch, zu einem kurzen Fuß verjüngt, etwa 300–375 × 14–16 µm. Wenn Sporen aus vielen Asci gleichzeitig ausgeschleudert werden, ist unter Umständen ein leises „Puff“ zu hören und eine kleine Sporenwolke zu sehen.
Lebensraum und Verbreitung
Ökologie. Saprotroph auf absterbenden, heruntergefallenen Zweigen und Holz von Laubbäumen, oft teilweise oder vollständig im Laub oder Boden vergraben, an feuchten Stellen. Nachgewiesen unter anderem auf Rosengewächsen, Buche, Hasel, Weide, Ulme, Hainbuche und im Mittelmeerraum auf Eiche. Die Fruchtkörper wachsen einzeln oder in Gruppen; die aus vergrabenem Holz wachsenden sind größer als die auf oberirdischen Ästen. Die Fruchtkörper sind langlebig und halten bei kühlem Wetter mehrere Wochen.
Verbreitung. Nordhalbkugel: Europa, Asien, Nordamerika; auch aus Afrika, Australien und Südamerika gemeldet. In Polen eine seltene Art (einige Beschreibungen geben an, dass sie nicht vorkommt), in Laubwäldern und Gebüschen; auf der Roten Liste der Pflanzen und Pilze Polens in der Kategorie I (Art mit unbestimmter Gefährdung). Bis zum 9. Oktober 2014 unter strengem Artenschutz, inzwischen aus der Liste der geschützten Arten gestrichen. In Europa stehen Arten der Gattung Sarcoscypha auf Roten Listen; in Großbritannien ist die Art sehr selten geworden.
Fruchtkörperbildung. In Polen von Dezember bis Mai, am häufigsten von Januar bis April; in der Regel in den kühlen Monaten des Winters und des zeitigen Frühjahrs.
Womit kann man ihn verwechseln?
- Sarcoscypha austriaca (Österreichischer Kelchbecherling) — Makroskopisch kaum zu unterscheiden; Sporen 29–36 × 12–15 µm, mit unvollständiger Hülle und kleinen Kappen an den Enden. Die Trennung erfordert ein Mikroskop.
- Sarcoscypha jurana — Fruchtkörper blasser, orangefarbener; Sporen abgeflacht oder stumpf endend. In Polen geschützt (strenger Schutz), nicht im Atlas enthalten; wächst hauptsächlich auf heruntergefallenen Lindenzweigen (Tilia) und ist im Gelände schwer zu unterscheiden – rote Kelchbecherlinge nicht pflücken.
- Sarcoscypha dudleyi — Kommt im östlichen Nordamerika vor; Sporen elliptisch mit abgerundeten Enden, 25–33 × 12–14 µm, in jungem Zustand vollständig in Schleim eingeschlossen.
- Sarcoscypha macaronesica — Eine Art der makaronesischen Inseln; Fruchtkörper kleiner (bis zu 2 cm), Sporen kleiner, etwa 20,5–28 × 7,3–11 µm.
- Scutellinia scutellata (Gemeiner Wimpernbecherling) — Viel kleinere Fruchtkörper mit sichtbaren dunklen Wimpern am Rand, wächst meist auf feuchtem Holz und Substrat.
- Plectania melastoma — Innenseite des Fruchtkörpers orangerot, die Außenseite jedoch schwärzlich, nicht weißlich.
Verlass dich nie auf ein einzelnes Merkmal. Wenn du nicht sicher bist – nicht sammeln; zeig den Pilz einer qualifizierten Pilzberatung.
Wissenswertes
- Der Scharlachrote Kelchbecherling gehört in Deutschland zu den auffälligsten Pilzen des Winters: Sein leuchtend roter Becher sticht im Februar und März zwischen braunem Falllaub hervor, oft schon, wenn noch Schnee- oder Frostreste liegen. Deshalb heißt er im Volksmund auch „Rote Elfenbecher“ oder „Moos-Becherling“ – gemeint ist die zierliche, becherförmige Gestalt.
- Der Pilz wächst in Deutschland vor allem in feuchten Laub- und Auwäldern sowie an Bachläufen, wo er auf am Boden liegenden, oft halb im Laub oder Moos versunkenen Ästen von Hasel, Weide, Esche oder Ulme zu finden ist. Er ist regional recht unterschiedlich häufig und gilt vielerorts als zerstreut bis selten, weshalb er in manchen Bundesländern auf der Roten Liste steht.
- Der Scharlachrote Kelchbecherling wird leicht mit dem sehr ähnlichen Österreichischen Kelchbecherling (Sarcoscypha austriaca) verwechselt. Beide sind mit bloßem Auge kaum zu trennen; sicher unterscheiden lassen sie sich nur unter dem Mikroskop, etwa an den Sporen und der Oberflächenstruktur der Außenseite. Bei uns wird der Pilz außerdem gern „Rotes Elfenschüsselchen“ genannt.
Häufige Fragen
Wann wächst Scharlachroter Kelchbecherling?
Laut Beobachtungen in Polen (GBIF) ist die Saison: Januar – Mai; die meisten Funde fallen in März.
Wo wächst Scharlachroter Kelchbecherling?
Saprotroph auf absterbenden, heruntergefallenen Zweigen und Holz von Laubbäumen, oft teilweise oder vollständig im Laub oder Boden vergraben, an feuchten Stellen. Nachgewiesen unter anderem auf Rosengewächsen, Buche, Hasel, Weide, Ulme, Hainbuche und im Mittelmeerraum auf Eiche. Die Fruchtkörper wachsen einzeln oder in Gruppen; die aus vergrabenem Holz wachsenden sind größer als die auf oberirdischen Ästen. Die Fruchtkörper sind langlebig und halten bei kühlem Wetter mehrere Wochen.
In der Gribo-App hat diese Art außerdem ein drehbares 3D-Modell, Fotos im Quiz und Warnungen bei der Bestimmung mit der Kamera. So fängst du an.