Pilze zum Bestimmen fotografieren – 3 entscheidende Aufnahmen

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Kurz gesagt: Damit sich deine Fotos zum Bestimmen eignen, mach drei Aufnahmen: den Hut von oben, die Hutunterseite (Lamellen, Röhren oder Stacheln) und die freigelegte Stielbasis, an der sich eine Scheide oder Knolle verbergen kann. Leg einen Gegenstand als Maßstab dazu und fotografiere bei diffusem Tageslicht, ohne Blitz. Eine Bestimmung per Foto, auch in der Gribo-App, ersetzt nie die Beurteilung durch Pilzsachverständige.

Damit ein Pilzfoto zum Bestimmen taugt, reicht eine einzige Aufnahme des Huts von oben nicht aus. Du brauchst drei Fotos: den Hut von oben, die Hutunterseite (Lamellen, Röhren oder Stacheln) und die von der Streu befreite Stielbasis, denn genau dort verbergen sich die Merkmale, die tödlich giftige Arten von ähnlichen unterscheiden. Dazu kommen Maßstab, gutes Licht und ein ruhiger Hintergrund. Genau so arbeitet die Kamera in Gribo – sie führt dich Schritt für Schritt durch diese drei Aufnahmen. Denk aber von Anfang an daran: Die Bestimmung mit dem Handy ist eine Lernhilfe, kein Urteil. Sie ersetzt keine Pilzsachverständigen.

Warum reicht ein Foto von oben nicht?

Das häufigste Pilzfoto im Internet zeigt einen braunen oder grünlichen Hut im Gras. Auf so einer Aufnahme lassen sich viele Doppelgänger-Paare nicht unterscheiden. Hüte sehen bei Arten aus ganz verschiedenen Familien oft ähnlich aus, und über die Bestimmung entscheiden meist:

  • Aufbau und Farbe der Hutunterseite,
  • ob ein Ring vorhanden ist und wie er aussieht,
  • das Aussehen der Stielbasis – Scheide, Knolle, Rand,
  • eine Zeichnung oder ein Netz am Stiel,
  • der Standort und die Bäume in der Nähe.

Ein Beispiel: Der Grüne Knollenblätterpilz kann von oben einem Täubling ähneln, der Unterschied zeigt sich erst auf der Unterseite und an der Stielbasis.

Aufnahme 1: der Hut von oben

Dieses Foto zeigt Farbe, Struktur und Oberfläche des Huts.

  • Fotografiere senkrecht von oben, sodass der Hut den größten Teil des Bildes ausfüllt.
  • Achte darauf, ob Schuppen, Flocken, Fasern, Schleim oder ein geriefter Hutrand zu sehen sind.
  • Entferne vorsichtig festklebende Blätter oder Nadeln – reibe den Hut aber nicht kräftig ab, sonst entfernst du womöglich Velumreste, die ein wichtiges Merkmal sind.

Aufnahme 2: die Hutunterseite

Die Unterseite verrät am meisten über einen Pilz. Zeig, ob es Lamellen, Röhren oder Stacheln sind, welche Farbe sie haben und wie sie am Stiel ansetzen.

  • Wächst der Pilz noch, geh tief in die Hocke und fotografiere von unten, von der Seite.
  • Ist der Pilz schon gesammelt, kipp ihn so, dass sowohl die Hutunterseite als auch der obere Teil des Stiels mit dem Ring zu sehen sind.
  • Versuch, die Stelle zu zeigen, an der die Lamellen auf den Stiel treffen – ob sie frei, angewachsen oder herablaufend sind.

Aufnahme 3: die Stielbasis

Das ist die wichtigste Aufnahme für die Sicherheit – und die am häufigsten vergessene. Wulstlinge haben an der Basis eine Knolle, die oft in der Erde steckt und von einer Scheide umhüllt ist. Ein Pilz, der mit dem Messer am Boden abgeschnitten wird, verliert dieses Merkmal unwiederbringlich.

  • Schieb die Streu rund um die Stielbasis vorsichtig beiseite oder dreh den ganzen Fruchtkörper heraus.
  • Fotografiere die Basis aus der Nähe, von der Seite – so, dass zu erkennen ist, ob eine Scheide, eine Knolle oder ein Rand vorhanden ist.
  • Ist die Scheide abgerissen, such sie in der Erde und zeig sie ebenfalls.

Bei geschützten Arten reißt du nichts aus und beschädigst nichts – Fotos des wachsenden Pilzes genügen. In vielen Ländern stehen manche Pilze unter Schutz, informiere dich also über die Regeln dort, wo du sammelst.

Zusätzliche Aufnahmen, die sehr helfen

  • Der ganze Pilz von der Seite – Proportionen von Hut und Stiel, Ring, Zeichnung am Stiel.
  • Längsschnitt (wenn der Pilz gesammelt ist) – die Farbe des Fleisches und ob es sich nach dem Anschneiden verfärbt, zum Beispiel blau anläuft.
  • Standort – ein weiteres Bild mit Bäumen, Untergrund, Baumstumpf, Büschel. Viele Arten wachsen nur unter bestimmten Bäumen oder nur auf Holz.

Wie zeigst du den Maßstab?

Die Größe eines Pilzes ist ein wichtiges Merkmal, aber auf einer Nahaufnahme ist sie nicht zu erkennen. Leg etwas mit bekannten Maßen daneben: eine Münze, ein Lineal, ein Taschenmesser, ein Feuerzeug. Auch die Hand funktioniert, aber fass unbekannte Pilze besser nicht mit bloßen Händen an und wasch dir nach dem Kontakt die Hände.

Licht: Tageslicht und diffus

  • Am besten ist diffuses Licht – ein bewölkter Tag oder der Schatten der Bäume.
  • Vermeide den Blitz aus der Nähe. Er überbelichtet helle Hüte und Lamellen, macht die Struktur flach und verfälscht die Farben.
  • Vermeide grelle Sonne – sie erzeugt harte Schatten und lässt helle Stellen ausbrennen.
  • Achte auf die Farben. Im dichten Wald werden Fotos leicht grünstichig oder gelbstichig. Wenn etwas anders aussieht als in Wirklichkeit, notier dir die echte Farbe.

Hintergrund und Schärfe

  • Ruhiger, kontrastreicher Hintergrund. Dunkle Streu hebt helle Pilze gut hervor, ein helles Blatt Papier oder ein helles Laubblatt dunkle. Vermeide bunte Handschuhe und farbige Körbe.
  • Schärfe auf den Pilz. Tippe auf dem Handy auf die Stelle, an der der Pilz ist. Geh nicht zu nah heran – viele Kameras verlieren dann die Schärfe.
  • Stabilität. Stütz die Ellbogen auf die Knie oder lehn das Handy an einen Baumstamm.

Was zeigt ein Foto nicht?

Manche Merkmale lassen sich nicht fotografieren: der Geruch, die Konsistenz des Fleisches, die Farbe des Sporenpulvers. Es lohnt sich, sie in der Beschreibung des Fundes zu notieren. Den Geruch prüfst du durch Riechen; probiere unbekannte Pilze nie mit der Zunge. Mehr über die Merkmale, auf die du achten solltest, liest du in unserem Beitrag Pilze bestimmen – Grundwissen.

Wie macht es die Gribo-App?

Die Kamera in Gribo verlangt drei Fotos: Hut von oben, Unterseite und Stielbasis. So hat das Modell mehr Informationen, und du lernst gleich, einen Pilz mit den Augen eines erfahrenen Sammlers zu betrachten. Wie Funde mit Spurpunkten, Rängen und Trophäen zusammenhängen – einem Extra für alle, die mögen –, erklären wir auf der Seite Erste Schritte.

Das Ergebnis einer Bestimmung ist aber immer ein Hinweis, keine Entscheidung. Das Foto kann unscharf sein, Arten können sich in einem Merkmal unterscheiden, das auf dem Bild nicht zu sehen ist, und das Modell kann sich irren. Deshalb gilt:

  • Ob ein Pilz gegessen werden kann, entscheiden Pilzsachverständige – nicht eine App. Pilzsachverständige findest du zum Beispiel über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM); in Polen prüfen die Gesundheitsämter Pilze kostenlos, und dort werden Exemplare im Original begutachtet, keine Fotos. Mehr in unseren Hinweisen zur Sicherheit.
  • Bei Verdacht auf eine Vergiftung ruf den Notruf 112 an, bewahre die Pilzreste auf und nimm sie mit ins Krankenhaus. Fotos vom Handy können dann ebenfalls nützlich sein.

Ein gutes Foto ist ein nützliches Werkzeug zum Lernen und um Funde mit den Begleitern vom Ausflug zu teilen. Das letzte Wort hat aber immer ein Mensch, der den Pilz mit eigenen Augen begutachtet.

Häufige Fragen

Welche Fotos brauche ich, um einen Pilz zu bestimmen?

Mindestens drei Aufnahmen: den Hut von oben, die Hutunterseite mit Lamellen oder Röhren und die von der Streu befreite Stielbasis. Hilfreich sind auch eine Seitenansicht, ein Längsschnitt und ein Bild der Umgebung mit den Bäumen.

Erkennt eine App einen Pilz auf dem Foto zu 100 Prozent?

Nein. Keine App bietet Gewissheit, denn viele Arten unterscheiden sich in Merkmalen, die auf einem Foto nicht zu sehen sind, etwa Geruch oder Farbe des Sporenpulvers. Betrachte das Ergebnis als Lernhilfe, nicht als Urteil.

Beurteilen Pilzsachverständige einen Pilz anhand eines Fotos?

Eine sichere Beurteilung erfordert, den Pilz im Original zu sehen – vollständig, mit Stielbasis. In Polen zum Beispiel prüfen die Pilzsachverständigen der Gesundheitsämter mitgebrachte Exemplare, keine Fotos.

Warum sollte ich beim Fotografieren von Pilzen keinen Blitz verwenden?

Ein Blitz aus der Nähe überbelichtet helle Flächen, macht die Oberfläche flach und verfälscht die Farben – dabei ist die Farbe von Hut oder Lamellen oft ein entscheidendes Merkmal. Besser ist diffuses Tageslicht, zum Beispiel im Schatten.

Denk daran: Eine Bestimmung anhand eines Fotos oder Artikels ersetzt keinen Pilzsachverständigen. Im Zweifel zeig deine Pilze einer Fachperson – mehr unter Sicherheit. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ruf den Notruf 112 an.

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