Die meisten schweren Pilzvergiftungen entstehen nicht aus Leichtsinn, sondern aus Selbstsicherheit: Der Sammler ist überzeugt, die Art zu kennen, und im Korb landet ihr giftiger Doppelgänger. Die gefährlichsten Paare in polnischen Wäldern sind Parasol und Knollenblätterpilze, der Grünling und seine Doppelgänger, Morcheln und die Frühjahrs-Giftlorchel, der Satans-Röhrling und andere Röhrlinge, Steinpilz und Gallenröhrling sowie der Hallimasch und seine giftigen Nachbarn. Unten beschreiben wir, worin sie sich unterscheiden – aber denk daran: Auf ein einzelnes Merkmal darfst du dich nie verlassen, und jedes unsichere Exemplar sollte ein Pilzsachverständiger begutachten.
Parasol oder Knollenblätterpilz?
Der Parasol (Macrolepiota procera) ist ein großer Pilz mit einem Hut wie ein Schirm. Das Problem: An ähnlichen Stellen wachsen Wulstlinge – der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) und der Pantherpilz (Amanita pantherina).
Parasol:
- Hut groß, hell, mit braunen Schuppen bedeckt, mit dunklerem Buckel in der Mitte,
- Ring dick, doppelt, verschiebbar – er lässt sich am Stiel auf und ab schieben,
- Stiel hoch und schlank, mit braunem, natternartigem Muster, an der Basis verdickt, aber ohne Scheide.
Grüner Knollenblätterpilz: Hut glatt, olivgrünlich oder weißlich, Ring hängend und nicht verschiebbar, an der Basis eine Knolle in einer häutigen, sackartigen Scheide.
Pantherpilz: brauner Hut mit weißen Flocken (Resten der Hülle), Ring glatt und nicht verschiebbar, Knolle mit deutlichem, scharfem Rand.
Die meisten Verwechslungen passieren bei jungen, noch geschlossenen Fruchtkörpern und wenn nur die Hüte gesammelt werden. Die Regel: Sammle keine jungen „Trommelschlegel“ und keine Hüte ohne Stiel. Vorsicht auch bei kleinen „Parasolen“ – kleine Schirmlinge (Lepiota) können dieselben gefährlichen Gifte enthalten wie der Grüne Knollenblätterpilz.
Grünling – ein Pilz, der seinen Status geändert hat
Der Grünling (Tricholoma equestre) wurde in Polen über Generationen gern gesammelt, vor allem in Kiefernwäldern auf sandigen Böden. Anfang des 21. Jahrhunderts wurden jedoch schwere, auch tödliche Vergiftungen beschrieben, bei denen es zu Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) kam, unter anderem nach mehrfachem Verzehr innerhalb kurzer Zeit. Heute gilt er als gefährlicher Pilz. Sammle ihn nicht.
Außerdem lässt sich der Grünling leicht mit dem giftigen Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum, ganz schwefelgelb, mit unangenehmem, „gasartigem“ Geruch) verwechseln und mit dem Grünen Knollenblätterpilz, der einen gelbgrünlichen Hut, aber weiße Lamellen, einen Ring und eine Scheide hat.
Morchel oder Frühjahrs-Giftlorchel?
Im Frühling erscheinen in den Wäldern Pilze mit gewundenen Hüten. Die Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta) enthält Gyromitrin, aus dem im Körper eine stark giftige Verbindung entsteht, die unter anderem Leber und Nervensystem schädigt. Vergiftungen können tödlich sein, und selbst die Dämpfe der Giftstoffe können gefährlich werden. Die alte Ansicht, man könne sie entgiften, ist ein gefährlicher Mythos.
| Merkmal | Morcheln | Frühjahrs-Giftlorchel |
|---|---|---|
| Hut | Kammern wie eine Bienenwabe, recht regelmäßig | hirnartig gewunden, unregelmäßig |
| Schnitt | innen hohl, ein durchgehender Hohlraum von Hut bis Stiel | unregelmäßige Kammern, oft watteartig gefüllt |
| Farbe | graubraun, gelblich, ocker | kastanienbraun, dunkelbraun, rotbraun |
Das Wichtigste: In Polen sind Morcheln geschützte Arten. Dort werden sie nicht gesammelt, sondern im Wald gelassen. Fotografieren darf man sie dagegen. Geschützt ist auch die Böhmische Verpel (Verpa bohemica). Ein Frühlingspilz mit gewundenem Hut sollte also gar nicht erst in den Korb kommen.
Satans-Röhrling oder andere Röhrlinge?
Der Satans-Röhrling (Rubroboletus satanas) ist ein Giftpilz, in Polen selten und geschützt. Er wächst in warmen Laubwäldern, oft auf Kalkboden.
Seine Merkmale:
- Hut weißlich, gräulich oder hell olivfarben,
- Poren an der Hutunterseite rot,
- Stiel dick, bauchig, gelbrot, mit rotem Netz,
- das Fleisch kann im Schnitt blauen, ältere Fruchtkörper riechen unangenehm.
Er wird mit anderen blauenden Röhrlingen und dem Flockenstieligen Hexen-Röhrling (Neoboletus luridiformis) verwechselt. Für Einsteiger lautet die einfachste Sicherheitsregel: Röhrlinge mit roten oder orangefarbenen Poren nicht sammeln. Der Steinpilz hat nie rote Poren.
Steinpilz oder Gallenröhrling?
Der Gallenröhrling (Tylopilus felleus) gehört nicht zu den tödlich giftigen Pilzen, ist aber intensiv bitter und hat schon manchen Sammler enttäuscht, der sicher war, einen Steinpilz gefunden zu haben. Im polnischen Volksmund heißt er sogar „Satan“.
| Merkmal | Steinpilz (Boletus edulis) | Gallenröhrling |
|---|---|---|
| Röhren | weiß, dann gelblich, schließlich olivgrünlich | weiß, mit dem Alter deutlich rosa |
| Netz am Stiel | hell, fein, vor allem im oberen Teil | dunkel, braun, grob und deutlich |
| Hut | hellbraun bis dunkelbraun | hell- bis dunkelbraun |
Bei sehr jungen Gallenröhrlingen sind die Röhren manchmal noch weiß, schau dir also auch das Netz an. Unbekannte Pilze „mit der Zunge“ zu testen, empfehlen wir nicht.
Hallimasch oder Schwefelkopf und Gifthäubling?
Hallimasche wachsen im Herbst büschelig auf Stümpfen, Wurzeln und am Stammfuß von Bäumen. An denselben Stellen wachsen jedoch auch Giftpilze.
- Hallimasch: Hut honiggelb oder bräunlich mit feinen Schüppchen, Lamellen weißlich oder cremefarben, am Stiel ein deutlicher Ring, Sporenpulver weiß.
- Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare): Hut schwefelgelb, in der Mitte orange getönt, Lamellen grünlich gelb, mit dem Alter oliv bis dunkel, ohne deutlichen Ring. Giftig.
- Gifthäubling (Galerina marginata): klein, braun, mit dünnem Ring, Sporenpulver rostbraun. Er enthält dieselben Amatoxine wie der Grüne Knollenblätterpilz. Er ist tödlich gefährlich und wird mit Hallimaschen und dem Gemeinen Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) verwechselt.
Ein Büschel auf einem Stumpf reicht nicht, um einen Pilz für einen Hallimasch zu halten. Es zählen Lamellenfarbe, Ring, Schüppchen und Sporenpulver, und das letzte Wort haben Pilzsachverständige.
Wie du dich nicht von Doppelgängern täuschen lässt
- Mehrere Merkmale, nicht eines: Hut, Unterseite (Lamellen, Röhren), Ring, Stielbasis, Standort und Substrat, alles zusammen.
- Der ganze Fruchtkörper: Dreh Pilze mit der Basis heraus und schau sie dir an, bevor sie in den Korb kommen.
- Keine ganz jungen und keine alten: Sehr junge Fruchtkörper zeigen ihre Bestimmungsmerkmale noch nicht, alte verlieren sie.
- Geschützte Arten im Wald lassen: In vielen Ländern sind manche Arten geschützt, in Polen zum Beispiel Morcheln und der Satans-Röhrling.
- Bei Zweifeln hilft ein Pilzsachverständiger. Ansprechpartner findest du über die DGfM oder örtliche Pilzberatungen. In Polen prüfen die Sanitätsstationen Pilze kostenlos, mehr dazu in unseren Hinweisen zur Sicherheit.
Die App Gribo hilft, Merkmale zu lernen, und warnt vor Doppelgängern, aber eine Bestimmung per Foto ersetzt keine Pilzsachverständigen. Ob ein Pilz gegessen werden kann, entscheiden Pilzsachverständige, die das Exemplar persönlich begutachten.
Bei Verdacht auf eine Vergiftung ruf den Notruf 112 an, bewahre die Pilzreste auf und nimm sie mit ins Krankenhaus. Mehr dazu in unseren Hinweisen zu Pilzvergiftung und Sicherheit.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich den Parasol von einem Knollenblätterpilz?
Der Parasol hat einen schuppigen Hut, einen dicken, verschiebbaren Ring und einen Stiel mit braunem, natternartigem Muster, aber keine Scheide. Wulstlinge haben einen festsitzenden Ring und eine Knolle an der Stielbasis – in einer Scheide oder mit einem Rand. Deshalb schau dir immer den ganzen Fruchtkörper samt Basis an.
Ist der Grünling giftig?
Heute gilt er als gefährlicher Pilz. Nach seinem Verzehr wurden schwere, auch tödliche Vergiftungen mit Muskelzerfall beschrieben. Sammle ihn nicht.
Wie unterscheidet sich die Giftlorchel von der Morchel?
Die Morchel hat einen Hut mit recht regelmäßigen Kammern wie eine Bienenwabe und ist im Schnitt innen hohl. Die Giftlorchel hat einen hirnartig gewundenen Hut, und im Schnitt sieht man unregelmäßige Kammern. In Polen stehen Morcheln unter Schutz und werden dort ohnehin nicht gesammelt.
Wo kann ich prüfen lassen, ob ein Pilz giftig ist?
Bei Pilzsachverständigen – in Deutschland findest du sie zum Beispiel über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM); in Polen prüfen die Sanitätsstationen Pilze kostenlos. App und Atlas helfen beim Lernen, ersetzen aber nicht die Beurteilung des Exemplars durch eine Fachperson.
Was tun bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung?
Ruf den Notruf 112 an, bewahre die Pilzreste auf und nimm sie mit ins Krankenhaus. Dort entscheiden die Ärzte über die weitere Behandlung.