Pilze, die im Dunkeln leuchten – Biolumineszenz im Wald

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Kurz gesagt: Manche Pilze leuchten im Dunkeln mit schwachem, grünlichem Licht – dank Biolumineszenz, einer chemischen Reaktion, bei der ein Stoff namens Luciferin mithilfe des Enzyms Luciferase oxidiert wird. In Polen sieht man das am leichtesten an feuchtem, morschem Holz, das von Hallimasch-Myzel durchwachsen ist, dem sogenannten „Fuchsfeuer“. Wozu Pilze leuchten, ist noch nicht sicher geklärt; die wichtigsten Hypothesen sind das Anlocken von Insekten und ein Nebeneffekt des Stoffwechsels.

Ja, manche Pilze leuchten wirklich im Dunkeln. Das Phänomen heißt Biolumineszenz: In den Zellen des Pilzes läuft eine chemische Reaktion ab, deren Produkt ein schwaches, kaltes, grünliches Licht ist. In Polen sieht man es am leichtesten an feuchtem, verrottendem Holz, das von Hallimasch-Myzel durchwachsen ist – früher sprach man von „leuchtendem Moderholz“ oder „Fuchsfeuer“. Weltweit sind über hundert Arten leuchtender Pilze beschrieben, und wozu sie das Licht brauchen, versuchen Forschende noch herauszufinden.

Wie erzeugen Pilze Licht?

Biolumineszenz ist „kaltes Licht“. Die Energie einer chemischen Reaktion wird direkt in Licht umgesetzt, ohne den Umweg über Wärme wie bei einer Glühbirne. Das Prinzip ähnelt dem bei Glühwürmchen, auch wenn die konkreten Stoffe andere sind:

  • Luciferin – ein Molekül, das oxidiert und dabei Energie in Form von Licht abgibt.
  • Luciferase – ein Enzym, das diese Reaktion beschleunigt.
  • Sauerstoff – nötig, um das Luciferin zu oxidieren.

Bei Pilzen entsteht Luciferin aus einfachen Verbindungen, die auch in Pflanzen vorkommen. Vor einigen Jahren gelang es Forschenden, diesen ganzen chemischen Weg zu entschlüsseln und sogar Pilzgene in Pflanzen zu übertragen – so entstand Tabak, der sein ganzes Leben lang leuchtet. Das zeigt, dass der Mechanismus relativ einfach und gut konserviert ist.

Anders als Glühwürmchen, die blinken, leuchten Pilze meist dauerhaft. Das Licht ist grünlich und sehr schwach – tagsüber völlig unsichtbar, nachts erst erkennbar, wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.

Welche Pilze leuchten?

Hallimasche und „leuchtendes Totholz“

In polnischen Wäldern sind Hallimasche die wichtigste Quelle des Leuchtens, darunter der Honiggelbe Hallimasch. Interessanterweise leuchtet bei ihnen vor allem das Myzel und nicht die Fruchtkörper, die im Herbst erscheinen. Das Myzel durchwächst tote Stämme, Wurzeln und heruntergefallene Äste, und wenn das Holz feucht und stark zersetzt ist, können ganze Stücke davon leuchten.

Daher die volkstümlichen Namen: leuchtendes Moderholz oder, in der englischsprachigen Tradition, foxfire – „Fuchsfeuer“. Seit Jahrhunderten stießen Menschen im Wald auf geheimnisvoll glimmende Holzstücke, ohne immer zu wissen, woher das Leuchten kam. Schon antike Autoren, darunter Aristoteles, beschrieben leuchtendes Holz, auch wenn die Ursache damals unbekannt war.

Ölbaumtrichterling

Der Ölbaumtrichterling (Omphalotus olearius) ist ein wärmeliebender Pilz, der in Polen selten vorkommt. Er hat leuchtend orange Fruchtkörper mit Lamellen, die im Dunkeln schwach leuchten können. Er ist giftig und kann in Form und Farbe einem Pfifferling ähneln. Eine schöne Farbe ist also keine Garantie. Der Ölbaumtrichterling wächst meist büschelig am Fuß von Laubbäumen oder auf ihren Wurzeln, Pfifferlinge dagegen einzeln oder in Gruppen auf dem Boden.

Tropische Pilze

Die spektakulärsten leuchtenden Pilze wachsen in tropischen Wäldern. Manche kleinen Arten aus der Gattung der Helmlinge (Mycena) und ihre Verwandten leuchten mit dem ganzen Fruchtkörper, sodass sie im dunklen Wald wie verstreute kleine Laternen aussehen. Aus solchen Orten stammen die meisten Fotos leuchtender Pilze, die im Netz kursieren.

Wozu leuchten Pilze?

Eine endgültige Antwort auf diese Frage gibt es noch nicht. Am häufigsten werden drei Hypothesen diskutiert, die sich gegenseitig keineswegs ausschließen.

Hypothese 1: Insekten anlocken

Das Licht könnte nachtaktive Insekten anziehen, die Sporen an neue Orte tragen. Dafür sprechen Experimente aus Südamerika, in denen künstliche „Pilze“, die mit grünen LEDs beleuchtet waren, mehr Insekten anlockten als unbeleuchtete. Bei manchen Arten folgt die Leuchtstärke außerdem einem Tagesrhythmus – nachts, wenn Insekten aktiv sind, ist sie stärker.

Hypothese 2: Nebeneffekt des Stoffwechsels

Holzzersetzende Pilze betreiben intensive chemische Prozesse, bei denen schädliche reaktive Sauerstoffspezies entstehen. Die Leuchtreaktion könnte helfen, sie unschädlich zu machen, und das Licht wäre nur ein Nebeneffekt. Diese Hypothese erklärt gut, warum beim Hallimasch vor allem das im Holz verborgene Myzel leuchtet – das keine Insekten anlocken muss.

Hypothese 3: Abschreckung

Manche Forschende vermuten, dass das Licht pilzfressende Tiere abschrecken oder Räuber anlocken könnte, die solche Tiere jagen. Für diese Hypothese gibt es die wenigsten starken Belege.

Möglicherweise erfüllt die Biolumineszenz bei verschiedenen Arten unterschiedliche Aufgaben – oder sie ist einmal aus einem Grund entstanden und hat später einem anderen Zweck gedient.

Wie du leuchtende Pilze sehen kannst

Fuchsfeuer mit eigenen Augen zu sehen ist ein besonderes Erlebnis, erfordert aber Geduld.

  • Wann: im Spätsommer und Herbst, nach regnerischen Tagen, wenn das Holz gut durchfeuchtet ist.
  • Wo: in Laub- und Mischwäldern, an alten Stümpfen und liegendem, stark zersetztem Holz. Hinweise sind herbstliche Büschel von Hallimaschen und schwarze, schnurartige Stränge unter der Rinde – das sind die Rhizomorphen des Hallimaschs.
  • Wie: in einer dunklen Nacht, am besten ohne Mond und fern von Lampen. Schalte die Taschenlampe aus und warte eine Viertelstunde, bis sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Das Leuchten ist sehr schwach. Auf Fotos erscheint es meist erst bei langer Belichtungszeit.

Sicherheit nachts im Wald

  • Geh nicht allein und sag jemandem, wohin du gehst.
  • Nimm ein aufgeladenes Handy und eine Taschenlampe mit (rotes Licht stört das Sehen im Dunkeln weniger).
  • Bleib auf bekannten Wegen; nachts verliert man leicht die Orientierung.
  • Respektiere die Tiere und die örtlichen Regeln für den Aufenthalt im Wald nach Einbruch der Dunkelheit.

Weitere praktische Tipps findest du in unserem Bereich Sicherheit.

Nimm kein Totholz mit nach Hause

Es ist verlockend, ein leuchtendes Stück Holz mitzunehmen. Lass es lieber: Außerhalb des feuchten Waldes trocknet es schnell aus und erlischt, und verrottendes Holz ist Lebensraum für Myzel, Insekten und viele andere Organismen. Mach ein Foto, speichere den Ort auf der Gribo-Karte und komm nächstes Jahr wieder.

Das Leuchten sagt nichts darüber, ob ein Pilz sicher ist

Zum Schluss ein wichtiger Hinweis. Biolumineszenz ist eine Kuriosität der Natur und kein Bestimmungsmerkmal für „gute“ oder „schlechte“ Pilze. Leuchten können sowohl giftige Arten als auch solche, die Pilzsammler mitnehmen. Ob ein Pilz verzehrt werden kann, entscheidet ein Pilzsachverständiger – nicht Farbe, Geruch oder Leuchten im Dunkeln.

Häufige Fragen

Gibt es in Polen Pilze, die im Dunkeln leuchten?

Ja. Am häufigsten leuchtet das Myzel von Hallimaschen in feuchtem, verrottendem Holz – sogenanntes leuchtendes Totholz. In wärmeren Regionen Europas ist auch der leuchtende Ölbaumtrichterling bekannt, der in Polen selten ist.

Warum leuchten Pilze?

Das Licht entsteht bei einer chemischen Reaktion von Luciferin mit Sauerstoff, die vom Enzym Luciferase katalysiert wird. Wozu die Pilze dieses Licht brauchen, ist nicht sicher: Untersucht werden das Anlocken von Insekten, die Sporen verbreiten, und ein Nebeneffekt der chemischen Prozesse beim Holzabbau.

Was ist Foxfire?

So heißt traditionell das schwache, grünliche Leuchten von verrottendem Holz, das vom darin wachsenden Myzel erzeugt wird – in Mitteleuropa meist vom Hallimasch.

Wie kann ich leuchtendes Totholz sehen?

Suche feuchtes, zersetztes Holz mit Hallimasch-Myzel in einer dunklen, mondlosen Nacht, fern von Lichtquellen. Gib deinen Augen eine Viertelstunde, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen – das Leuchten ist sehr schwach.

Denk daran: Eine Bestimmung anhand eines Fotos oder Artikels ersetzt keinen Pilzsachverständigen. Im Zweifel zeig deine Pilze einer Fachperson – mehr unter Sicherheit. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ruf den Notruf 112 an.

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