Warum wachsen Pilze nach dem Regen? Die Biologie eines Pilzschubs

Blog · 5 Min. Lesezeit · aktualisiert

Kurz gesagt: Pilze wachsen nach dem Regen, weil ein Fruchtkörper größtenteils aus Wasser besteht und vor allem dadurch wächst, dass sich seine Zellen mit Wasser füllen, während das Myzel im Boden Fruchtkörper erst bei passender Feuchtigkeit und Temperatur bildet. Sammler beobachten einen Pilzschub meist einige Tage bis etwa zwei Wochen nach ergiebigem Regen, besonders wenn die Nächte kühler werden.

Nach dem Regen schießen Pilze buchstäblich aus dem Boden, weil das, was wir im Wald sammeln, größtenteils aus Wasser besteht und ein Fruchtkörper vor allem dadurch größer wird, dass seine Zellen Wasser aufnehmen. Wasser allein reicht aber nicht: Das im Boden verborgene Myzel bildet Fruchtkörper erst, wenn mehrere Bedingungen zusammenkommen – feuchte Streu, die passende Temperatur und meist auch kühlere Nächte. Deshalb kann der Wald nach einem Regen vor Pilzen überquellen und nach einem anderen leer bleiben.

Was ist eigentlich der Pilz, den wir sammeln?

Was wir Pilz nennen, ist nur ein kleiner, saisonaler Teil davon – der Fruchtkörper. Der eigentliche Organismus ist das Myzel: ein Geflecht hauchdünner Fäden (Hyphen), das den Boden, die Streu oder totes Holz durchzieht. Das Myzel lebt das ganze Jahr über, oft viele Jahre lang. Der Fruchtkörper ist für das Myzel, was der Apfel für den Apfelbaum ist – ein Gebilde, das Sporen erzeugen und verbreiten soll.

Einen Fruchtkörper zu bilden kostet das Myzel viel Energie und Wasser. Der Pilz „investiert“ erst dann darin, wenn die Bedingungen eine Chance geben, dass der Fruchtkörper wachsen, reifen und seine Sporen verbreiten kann, bevor er austrocknet.

Warum beschleunigt Regen das Pilzwachstum so stark?

Ein Fruchtkörper ist vor allem Wasser

Viele Quellen geben an, dass frische Fruchtkörper zu etwa 90 Prozent aus Wasser bestehen. Ohne Wasser gibt es also nichts, woraus Hut und Stiel entstehen könnten.

Ein Pilz wächst, indem er seine Zellen „aufpumpt“

Am spannendsten ist, wie ein Fruchtkörper wächst. Seine Anlagen – winzige, wenige Millimeter große Ansätze – entstehen schon vorher in der Streu, oft unbemerkt. Kommt Feuchtigkeit, müssen sich ihre Zellen nicht mehr intensiv teilen: Es genügt, dass sie sich mit Wasser vollsaugen und strecken. Deshalb ist ein Fruchtkörper, der gestern noch unsichtbar war, heute einige Zentimeter groß und erreicht in wenigen Tagen seine volle Größe.

Auch die Luftfeuchtigkeit zählt

Nasser Boden ist nur die halbe Miete. Fruchtkörper verlieren Wasser über ihre Oberfläche, deshalb welken sie in trockener, windiger Luft schnell und hören auf zu wachsen. Nebel, Tau, windstille Tage und schattige Stellen begünstigen Pilze – daher die alte Sammlerweisheit, dass sie an geschützten, windstillen Plätzen am besten wachsen.

Welche Rolle spielt die Temperatur?

Die Temperatur ist das zweite Signal, auf das das Myzel reagiert. Für viele Waldarten zählt nicht nur, wie warm es ist, sondern auch, wie sich die Temperatur verändert. Sammler bemerken oft, dass die reichsten Pilzschübe kommen, wenn:

  • nach einer warmen Phase ergiebige, mehrtägige Niederschläge fallen,
  • die Tage noch mäßig warm, die Nächte aber deutlich kühler sind,
  • der Boden lange feucht bleibt, weil kein austrocknender Wind weht.

Verschiedene Arten haben dabei verschiedene „Zeitfenster“. Manche erscheinen schon im Frühling, andere im Sommer und wieder andere fruchten erst bei den ersten Frösten. Die Saison der einzelnen Arten findest du im Atlas.

Wie viele Tage nach dem Regen erscheinen Pilze?

Hier ist Vorsicht angebracht, denn das ist kein Naturgesetz, sondern eine Sammlung typischer Beobachtungen. Am häufigsten berichten Sammler Folgendes:

  • Einige Tage nach ergiebigem Regen erscheinen die ersten Fruchtkörper von Arten, die schnell auf Feuchtigkeit reagieren.
  • Nach etwa ein bis zwei Wochen kommt meist der eigentliche Schub, auch von so begehrten Arten wie dem Steinpilz.
  • Ein kurzer Sommerschauer bringt oft nichts: Das Wasser bleibt in der Streu hängen und verdunstet, bevor es das Myzel erreicht.
  • Ein Wolkenbruch nach langer Trockenheit kann ebenfalls enttäuschen. Ausgetrockneter Boden nimmt Wasser schlecht auf, und das Myzel braucht Zeit, um in Gang zu kommen.

Viel hängt von der Bodenart ab. Sandige Kiefernwälder trocknen schnell aus, lehmige Laubwälder halten die Feuchtigkeit länger. Deshalb bringt derselbe Regen in einer Gegend einen Pilzschub und in einer anderen nicht.

Was ist Mykorrhiza und warum wachsen Pilze unter bestimmten Bäumen?

Viele Arten, die in Polen gern gesammelt werden, sind Mykorrhizapilze. Ihr Myzel umspinnt die feinen Wurzeln der Bäume und bildet mit ihnen ein gemeinsames Austauschsystem:

  • Der Baum gibt dem Pilz Zucker ab, den er in der Fotosynthese gebildet hat,
  • der Pilz liefert dem Baum Wasser und Mineralstoffe, die seine Hyphen viel wirksamer aus dem Boden holen können als Wurzeln.

Deshalb findest du den Birkenpilz unter Birken, den Butterpilz unter Kiefern und den Goldröhrling unter Lärchen. Mykorrhiza bilden auch Pfifferlinge, Steinpilze und viele Wulstlinge – darunter die gefährlichsten.

Die Mykorrhiza erklärt auch, warum der Höhepunkt der Saison in den Spätsommer und Herbst fällt. Der Baum sammelt die ganze Saison über Zucker, und der Pilz nutzt diesen Vorrat, um Fruchtkörper zu bilden. Das Wetter entscheidet, wann das geschieht.

Andere Strategien: Saprobionten und Parasiten

Nicht alle Pilze leben in Symbiose. Saprobionten zersetzen tote Substanz – Falllaub, Nadeln, Äste, Stämme. Parasiten befallen lebende Organismen; zu ihnen gehören die Hallimasche, die Bäume töten können. Auch diese Gruppen brauchen Feuchtigkeit, hängen aber oft weniger vom Rhythmus der Bäume ab. Deshalb findest du manche holzbewohnenden Pilze sogar im Winter, bei Tauwetter.

Warum ist ein Jahr ein „Pilzjahr“ und ein anderes nicht?

Es zählt die ganze Vorgeschichte der Saison. Ein nasses Frühjahr und ein nasser Sommer lassen das Myzel wachsen und Reserven anlegen. Ein heißer, trockener Sommer kann es schwächen, tötet es aber meist nicht. Folgt dann ein warmer, regnerischer Herbst, kann der Pilzschub gewaltig sein. Ist der Herbst trocken oder sofort frostig, endet die Saison, bevor sie begonnen hat.

Was bedeutet das für dich als Sammler?

  • Verfolge die Niederschläge der letzten zwei Wochen, nicht nur den Regen von gestern.
  • Suche feuchte, geschützte Stellen: Senken, Waldränder an Wiesen, die Umgebung von Bächen.
  • Achte auf die Bäume. Die Mykorrhiza verrät, wo du eine bestimmte Art suchen solltest.
  • Schone das Myzel: Wühle nicht in der Streu, reiße Pilze nicht mit großen Stücken Substrat heraus und decke die Stelle nach dem Sammeln wieder ab. Ein gesundes Myzel trägt auch in den kommenden Jahren Pilze.
  • Sammle nicht alles, was gewachsen ist. Fruchtkörper sollen Sporen verbreiten, und alte oder madige braucht ohnehin niemand im Korb.

Wenn du gerade erst anfängst, lies unseren Beitrag über die Grundlagen der Pilzbestimmung. Und denk daran: Ein Pilzschub ist auch ein Schub von Giftpilzen – ob ein Pilz verzehrt werden kann, entscheiden Pilzsachverständige, nicht die Fülle im Wald.

Häufige Fragen

Wie viele Tage nach dem Regen wachsen Pilze?

Eine feste Regel gibt es nicht. Sammler sehen die ersten Fruchtkörper meist einige Tage nach ergiebigem Regen, einen größeren Schub nach etwa ein bis zwei Wochen. Viel hängt von der Temperatur, der Bodenart und davon ab, ob der Regen die Streu wirklich durchnässt hat.

Warum wachsen Pilze so schnell?

Weil die Anlagen der Fruchtkörper schon vorher entstehen und nach dem Regen vor allem wachsen, indem sich ihre Zellen mit Wasser vollsaugen und strecken. Sie müssen sich dann nicht mehr intensiv teilen, deshalb kann ein Fruchtkörper innerhalb weniger Tage heranwachsen.

Wachsen Pilze bei Trockenheit?

Das Myzel im Boden übersteht eine Dürre, bildet aber meist keine Fruchtkörper. Ausnahmen gibt es an feuchten Stellen – an Bächen, in schattigen Tälern, in Mooren.

Was ist Mykorrhiza?

Das ist eine Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz und den Wurzeln eines Baumes. Der Baum liefert dem Pilz Zucker aus der Fotosynthese, der Pilz hilft dem Baum, Wasser und Mineralstoffe aufzunehmen. Deshalb wachsen viele Pilzarten nur unter bestimmten Bäumen.

Denk daran: Eine Bestimmung anhand eines Fotos oder Artikels ersetzt keinen Pilzsachverständigen. Im Zweifel zeig deine Pilze einer Fachperson – mehr unter Sicherheit. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ruf den Notruf 112 an.

Weiterlesen

Pilze bestimmen – Grundwissen für Einsteiger

Pilze bestimmen von Grund auf: Fruchtkörper, die wichtigsten Pilzgruppen, Bestimmung Schritt für Schritt, gefährliche Mythen und Pilzsachverständige.

Doppelgänger von Pilzen – die 6 häufigsten und gefährlichsten Verwechslungen

Pilz-Doppelgänger: Parasol und Knollenblätterpilze, Morchel und Giftlorchel, Steinpilz und Gallenröhrling, Hallimasch und Gifthäubling – die Merkmale.

Grüner Knollenblätterpilz – warum er der gefährlichste Pilz in Polen ist

Der Grüne Knollenblätterpilz verursacht die meisten tödlichen Pilzvergiftungen. Amatoxine, tückische Symptome und Merkmale: Scheide, Ring, weiße Lamellen.