In Polen wachsen Pilze das ganze Jahr über, aber jede Jahreszeit hat ihre eigenen Hauptdarsteller. Im Frühjahr erscheinen Morcheln und tückische Lorcheln, im Sommer Pfifferlinge und Sommer-Steinpilze, der Höhepunkt der Saison liegt im September und Oktober, im Spätherbst dominieren Hallimasch und Ritterlinge, und im Winter – sobald Tauwetter einsetzt – Samtfußrübling und Judasohr. Denk nur daran, dass dieser Kalender eine Orientierung ist: Ob im Wald etwas wächst, entscheiden das Wetter der letzten Wochen, die Region und die Höhenlage.
Monat für Monat – ein schneller Überblick
So verteilen sich die Monate auf die Jahreszeiten, die wir unten beschreiben:
- Winter: Januar, Februar, Dezember,
- Frühling: März, April, Mai,
- Sommer: Juni, Juli, August,
- Herbst: September, Oktober, November.
Was wächst im Frühling? (März, April, Mai)
Im Frühling geht es beim Pilzesammeln vor allem ums Beobachten und um Vorsicht, weniger ums Füllen des Korbs.
Morcheln: nur fürs Foto
Morcheln, darunter Morchella esculenta und die Spitzmorchel (Morchella conica), erscheinen meist von März bis Mai in Auwäldern, Parks, Obstgärten und an Waldrändern. Ihre Hüte erinnern an eine Bienenwabe. In Polen sind sie geschützte Arten. Wir sammeln sie nicht, sondern lassen sie im Wald. Dasselbe gilt für die Böhmische Verpel. In vielen Ländern stehen manche Pilzarten unter Schutz, prüfe also die Regeln dort, wo du sammelst.
Frühjahrs-Giftlorchel: die größte Gefahr im Frühjahr
Die Frühjahrs-Giftlorchel wächst im zeitigen Frühjahr, meist in Kiefernwäldern auf sandigen Böden. Sie hat einen kastanienbraunen, wie ein Gehirn gefalteten Hut und wird manchmal mit Morcheln verwechselt. Sie ist tödlich giftig. Gefaltete Frühlingspilze kommen also nicht in den Korb: Morcheln sind geschützt, und die Giftlorchel kann töten.
Weitere Frühlingsarten
Ab April findest du auf Wiesen, in Gebüschen und Obstgärten den Mairitterling. Achtung: Ähnlich sehen giftige Risspilze aus, die wenig später erscheinen. Gegen Ende des Frühlings wächst an Stämmen von Laubbäumen der Schuppige Porling, und in Laubwäldern kann der in Polen seltene Frühlings-Knollenblätterpilz auftauchen, weiß und tödlich giftig.
Was wächst im Sommer? (Juni, Juli, August)
Im Sommer beginnt die eigentliche Saison, besonders nach warmen Gewitterregen.
- Pfifferlinge: ab Frühsommer in Nadel- und Mischwäldern. Statt typischer Lamellen haben sie charakteristische Leisten. Pass auf den ähnlichen Falschen Pfifferling auf.
- Sommer-Steinpilz: wächst unter Eichen und Buchen, oft als einer der ersten Steinpilze des Jahres.
- Raufußröhrlinge und Täublinge: unter Birken, Hainbuchen und in Mischwäldern.
- Parasol: ab Spätsommer an Waldrändern, auf Lichtungen und Wiesen.
- Schwefelporling: leuchtend gelbe Fruchtkörper an Stämmen von Laubbäumen.
Im Sommer beginnt auch die Saison des Grünen Knollenblätterpilzes, des gefährlichsten Pilzes in Polen. Er erscheint meist ab Juli in Laub- und Mischwäldern. Schau dir jeden Pilz mit weißen Lamellen zusammen mit der Stielbasis an.
Höhepunkt der Saison: September und Oktober
Auf diese Monate freuen sich viele Pilzsammler. Bei feuchtem, mäßig warmem Wetter kann der Wald regelrecht voller Pilze sein.
In dieser Zeit findest du unter anderem:
- Steinpilze (Boletus edulis) und Kiefern-Steinpilze,
- Maronen-Röhrlinge, oft die häufigsten im Korb,
- Schmierröhrlinge unter Kiefern und Lärchen,
- Edelreizker und andere Milchlinge unter Kiefern und Fichten,
- Parasole an Waldrändern,
- Hallimasch, der meist im September loslegt.
Zugleich ist dies die Zeit mit den meisten Vergiftungen. Dann sind in den Wäldern die meisten Sammler und die meisten Giftpilze unterwegs, darunter Knollenblätterpilze. Die Pilzschwemme verleitet zur Eile, und Eile ist ein schlechter Ratgeber für Pilzsammler.
Spätherbst: November und Anfang Dezember
Wenn die Nächte kalt werden und die ersten Fröste das Gras überziehen, ist die Saison noch nicht vorbei.
- Hallimasch: Büschel an Stümpfen, Wurzeln und am Fuß von Bäumen, oft bis in den November. Denk an seine giftigen Doppelgänger: den Grünblättrigen Schwefelkopf und den tödlich giftigen Gift-Häubling.
- Ritterlinge: unter anderem der Schwarzfaserige Ritterling und der Gemeine Erd-Ritterling in Kiefernwäldern. Vorsicht beim Grünling, der heute als gefährlicher Pilz gilt.
- Reifpilz: wächst im Spätsommer und Herbst, oft in Kiefernwäldern mit Heidelbeeren.
- Herbsttrompete: dunkle, trichterförmige Fruchtkörper in Laubwäldern.
- Austernseitlinge: an Stämmen von Laubbäumen, auch bei kühlem Wetter.
Im Spätherbst wächst auch der giftige Nebelgraue Trichterling, der in der Streu manchmal ganze Hexenringe bildet.
Wachsen im Winter Pilze? (Dezember, Januar, Februar)
Ja. Für viele Sammler ist das eine Überraschung.
- Gewöhnlicher Samtfußrübling: wächst büschelig auf totem Laubholz, seine Fruchtkörper vertragen Frost und können bei Tauwetter „wieder aufleben“. Er hat einen orangebraunen, klebrigen Hut und einen samtigen, nach unten dunkler werdenden Stiel.
- Judasohr: gallertartige, ohrförmige Fruchtkörper, meist an Zweigen des Schwarzen Holunders. Du findest es praktisch das ganze Jahr über, am besten sichtbar ist es aber in den kühlen, feuchten Monaten.
- Austernseitlinge: in milden Wintern an Stämmen und liegenden Baumstämmen.
- Porlinge: Fruchtkörper an Bäumen, etwa Zunderschwamm oder Schmetterlings-Tramete, das ganze Jahr über sichtbar. Sie sind keine Pilze für den Korb, eignen sich aber gut zum Lernen und Fotografieren.
Wie nutzt du den Pilzkalender?
- Sieh die Termine als Richtwerte. Ein warmer Herbst verschiebt die Saison, ein trockener kann sie verkürzen, und in den Bergen läuft alles in einem anderen Rhythmus.
- Achte auf das Wetter der letzten Wochen, nicht nur auf den Kalender. Nach ergiebigem Regen kommen die Pilze meist mit einigen Tagen bis zwei Wochen Verzögerung.
- Nutze den Gribo-Atlas: Die Artbeschreibungen zeigen, auf welche Doppelgänger du achten musst.
- Geschützte Arten lässt du im Wald.
Über jedem Kalender steht eine Regel: Eine Bestimmung per Foto oder App ersetzt keine Pilzsachverständigen. Ob ein Pilz gegessen werden kann, entscheiden Pilzsachverständige (z. B. der DGfM), die ihn persönlich prüfen. In Polen bewerten die Sanepid-Stationen Pilze sogar kostenlos. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ruf die 112 an und nimm die Pilzreste mit ins Krankenhaus.
Häufige Fragen
Wann ist Pilzsaison in Polen?
Die Hauptsaison dauert vom Sommer bis zum Spätherbst, ihr Höhepunkt liegt meist im September und Oktober. Einzelne Arten findest du aber das ganze Jahr über, auch im Winter.
Welche Pilze wachsen im Frühjahr?
Im Frühjahr erscheinen unter anderem Morcheln und die Böhmische Verpel (in Polen geschützte Arten), der Mairitterling sowie die tödlich giftige Frühjahrs-Giftlorchel. Frühlingspilze mit gefalteten, runzeligen Hüten verlangen besondere Vorsicht.
Wachsen im Winter Pilze?
Ja. Bei Tauwetter erscheint auf totem Holz der Samtfußrübling, auf Holunderzweigen das Judasohr. Im Winter sieht man auch Austernseitlinge und Porlinge an Bäumen.
Wann wachsen Pfifferlinge?
Pfifferlinge erscheinen meist ab Frühsommer und sind bis in den Herbst zu finden, besonders nach regnerischen Phasen.